3 Fragen an Katja Drinkmann

Natgas

25. März 2019
3 Fragen an Katja Drinkmann
Katja Drinkmann, Natgas (Bild: Natgas)

Stichwort Direktvertrieb: Wie steht die Biogasbranche zum Thema ›Betrieb nach dem Ende der EEG-Förderung‹?

Die Flexibilisierung der Strom- und Wärmeerzeugung ist für die Betreiber eine neue Ertragsquelle. Immer mehr Anlagen mit BHKW in der Direktvermarktung werden darauf umgestellt, statt Grundlast gezielt die Lücken zwischen der Einspeisung von Wind und Sonne zu decken. Dieser Strom wird mehr wert, je höher die Kosten für die fossile Erzeugung steigen. Auch die Wärmelieferung wird wertvoller.

Nun gibt es seit 2017 eine 10-jährige Vergütungsverlängerung, die eine Brücke in die Zukunft baut. Wenn dann Biogas noch für die energiefremden Nutzeffekte für die Landwirtschaft aus deren Schatulle entlohnt wird, wird diese Energiequelle mit Vor-Ort-Verstromung den Schritt in eine subventionsfreie, rein marktgetriebene Zukunft schaffen.

Möglicherweise wird das EEG-Ausschreibungssystem von technologiespezifischen Vergütungen auf erneuerbare Erzeugung von ganzen Lastbändern umgestellt. Dabei kann Biogas gleichzeitig als Energiequelle und als Energiespeicher dienen. Dann würden Marktaggregatoren die spezielle Fähigkeit honorieren, mit dieser ›Biobatterie‹ die Stromlücken zu füllen.

Status quo und Blick in die Glaskugel: Wie entwickelt sich der Markt in den nächsten fünf Jahren?

Der Blick in die nahe Zukunft zeigt mehr als deutlich, dass Energiewende und Klimaschutz einen beschleunigten Zubau der fluktuierenden Energien und neue Flexibilität benötigen. Stromspeicher für Wind und Solarstrom sind nicht zum Nulltarif zu haben. Das wird sich in höheren Erlösen für regelbare Erzeugungsanlagen niederschlagen. Die wachsende Spreizung der Strompreise je nach Residuallast bietet ein attraktives Geschäftsmodell für Betreiber von Biogasanlagen und Direktvermarktern, die solche Anlagen steuern können.

Eine verursachergerechte Bepreisung von CO2-Emissionen wäre hilfreich, um die Anreize für emissionsarme Technologien zu stärken. Die Einnahmen, für einen sozialen Ausgleich verwendet, würde die Akzeptanz steigern. Mit kluger Politik lässt sich die Energiewende zum Erfolg führen – und vielleicht lassen sich so auch die schlimmsten Folgen des Klimawandels vermeiden.

Frauen in der Wirtschaft: Welche Quote braucht das Land?

Zwischen Männern und Frauen liegt offiziell eine Lohnlücke von 21 Prozent. Meiner persönlichen Auffassung nach besteht hier dringender Handlungsbedarf, denn diese Entgeltdiskriminierung, englisch elegant als ›Gender Pay Gap‹ kaschiert, gilt es zu überwinden. Die gegenwärtige Quote nach dem Bundestagsbeschluss vom 6. März 2015 und ihre gesetzlichen Hintergründe sind auf jeden Fall ein probates Mittel, um der Gleichstellung von Frauen und Männern in Gesellschaft und Wirtschaft etwas näherzukommen. Wir Frauen sollten weniger an Quoten, Prestige oder Macht interessiert sein, sondern an gleicher Wertschätzung auf unserem Konto.

Tatsächlich sollte die Quote der Förderung einer unterrepräsentierten Gruppe dienen, gleichwohl bei der Bewertung ihrer Arbeitsleistung wichtige Kennziffern wie Umsatz, Rendite und Wertschöpfung nicht außer Acht gelassen werden. Im Umkehrschluss darf die Frauenquote natürlich nicht zu einer Diskriminierung von Männern führen – wobei ich diese Bedenken belächle.

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 20