Intelligenter Netzbetrieb: so geht es

Der Stromnetzausbau ist mühsam. Das muss künftig einfacher gehen fordern Experten. Das Großprojekt Energiewende drohe sonst ins Stocken zu geraten. Die neuen Stromtrassen müssen auch zeitgemäß gesteuert werden. Wie das geht, untersuchen Experten zurzeit in einem Verbundprojekt.

17. Oktober 2018
(Bild: Calado/fotolia.de)

Diesen Herbst wird die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes erwartet. Im August stellte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier seinen Aktionsplan Stromnetz vor. Das Ziel: Mehr Tempo beim Bau oder bei der Modernisierung von Verteil- und Übertragungsleitungen in ganz Deutschland.

Intelligenter Netzbetrieb

Zu moderner Stromnetzen gehört auch deren zeitgemäße Steuerung. Das ist leichter gesagt als getan. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und der Energiekonzern Statkraft untersuchen in einem gemeinsamen Pilotprojekt, wie das Netz intelligent gesteuert werden kann.

Dazu gehört die Nutzung der Einspeiseprognosen von Windparks in Norddeutschland, die von Statkraft vermarktet werden.

Der Netzbetreiber nutzt diese Daten, um die Berechnungen der Netzauslastung zu verbessern und kann so frühzeitig mögliche Transportengpässe im Netz identifizieren und beheben, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen.

In einem zweiten Schritt wird die direkte Steuerung von Windkraftanlagen erprobt, um Netzengpässe zu entlasten. »Dabei greift Tennetauf Windparks von Statkraft zu, die am Verteilnetz angeschlossen sind, und regelt sie bei drohenden Netzengpässen direkt ab«, so die Unternehmen. Um dies zu ermöglichen, entwickeln die Unternehmen Kommunikations- und IT-Prozesse.

Direkter Zugriff

»Wir lösen tagtäglich mit hunderten Eingriffen in die konventionelle und erneuerbare Erzeugung Engpässe im Stromnetz auf. Damit wir nur so viel wie nötig eingreifen, ist für uns ein unmittelbarer Zugriff auf Windkraftanlagen wichtig, um sie bei Netzengpässen steuern zu können«, erläutert Lex Hartman, Geschäftsführer von Tennet.

»Durch diesen direkten Zugriff könnte es letztlich möglich werden, gezielt nur die für die Aufrechterhaltung der Netzstabilität benötigte Kapazität der Windkraftanlagen abzuregeln.«

Im Vergleich zum heutigen System würden so weniger erneuerbare Erzeugungsanlagen zur Netzstabilisierung genutzt, um den gleichen Effekt zu erzielen und dies würde langfristig wiederum weniger Kosten für die Stromverbraucher bedeuten, so Hartmann.

Da die Anpassung des Stromnetzes an die Anforderungen der Energiewende langsamer voran geht als der Ausbau der erneuerbaren Energien, kommt es heute immer öfter zu Transportengpässen im Stromnetz.

Um sie zu vermeiden, greift TenneT in die Erzeugung von konventionellen Kraftwerken und von erneuerbaren Energien ein. Die Kosten hierfür lagen 2017 deutschlandweit bei 1,4 Milliarden Euro, so das Unternehmen. Davon entfielen allein auf das windreiche Verantwortungsgebiet von Tennet knapp 1 Milliarde Euro. Die Kosten für diese netzstabilisierenden Maßnahmen werden über die Netzentgelte letztlich von den Stromverbrauchern getragen.

Schaufenster intelligente Energie (Sinteg)

Tennet realisiert das Vorhaben im Rahmen des Verbundprojekts NEW 4.0 – Norddeutsche Energie Wende, das zum Förderprogramm Schaufenster intelligente Energie (Sinteg) gehört.

Hier die bundesweiten Sinteg-Projekte in der Übersicht: www.energiespektrum.de/sinteg-projekte-mit-weitblick-4514