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Interview

»Wir können nur gewinnen.«

Die Digitaltechnik modernisiert radikal den Messstellenbetrieb. Sei es bei der Hardware, sei es bei den Mehrwertdienstleistungen. Discovergy-Chef Nikolaus Starzacher schaut optimistisch in die Zukunft.

10. Oktober 2018
(Bild: Discovergy)

Herr Starzacher, ab 2021 können Immobilieneigentümer als Anschlussnehmer den Messstellenbetreiber frei wählen. Wie konkret sind die Marktvorbereitungen schon? Welche technischen Möglichkeiten und Services werden möglich sein?

Die Jahreszahl 2021 steht im Digitalisierungsgesetz. Es ist eine Vorgabe des Gesetzgebers. Für die gesamte Immobilie kann der Eigentümer dann einen einheitlichen Messstellenbetreiber bestimmen. Das geht dato noch nicht. Strategisch gesehen ist die Neuregelung eine Verbesserung. Gerade im Bestand. Heute lassen sich Mieterstromprojekte im Bestand mitunter nur mühsam umsetzen. Technisch gesehen ist der Mehrsparten-Service sehr sinnvoll. Denn die Hardware muss ja sowieso installiert werden. Das heißt, indem man die Technik verbaut, generiert man automatisch mindestens zwei Mehrwerte für den Betreiber. So verkauft sich das Produkt auch leichter.

Im Übrigen sind Mehrwertdienste ja schon heute etabliert, denken Sie an die gemeinsame Abrechnung von Heizkosten sowie Warm- und Kaltwasserverbrauch.

Dato ist der Markt verteilt, das Gesetz sorgt dann sicher für erhöhten Wettbewerbsdruck auf die etablierten Anbieter.

Marktwirtschaftlich sorgt das Gesetz für eine Konfrontation zwischen Energieversorgern und den großen Serviceunternehmen für den Messstellenbetrieb in der Immobilienwirtschaft. Beide Seiten fürchten um ihre Marktanteile. Uns als vergleichsweise jungem Unternehmen kann das egal sein. Wir können nur gewinnen, egal ob wir einen oder hundert Neukunden bekommen. Für das Gateway spielt es keine Rolle, welche Daten es überträgt. Ob Strom, Wasser oder Wärme, es entstehen immer Zeitreihendaten. Darauf kommt es an für das Gateway.

Discovergy hatte einen Stand auf der Deutschen Immobilienmesse in Dortmund und warb für das spartenübergreifende Metering. Wie war die Resonanz?

Die Nachfrage ist groß. Technisch gesehen ist das Mehrsparten-Messwesen an sich nicht komplex. Es gibt ein Protokoll, das die zahlreichen Hersteller von Wärmezählern auch alle in ihren Geräten verwenden. De facto gibt es aber doch immer wieder kleine Besonderheiten, wie wir festgestellt haben.

Das heißt, man muss etwas Zeit investieren und sich den Sachverhalt im Labor anschauen. Per se ist das aber kein Problem.

Vita

Nikolaus Starzacher

Er gründete Discovergy 2009 im Rahmen der Liberalisierung des Messstellenbetriebs.

Vorher unter anderem Gründer des Portals Verivox und der Just Digits GmbH. Nikolaus Starzacher hat insgesamt rund 15 Jahre Berufserfahrung. Mehrere Jahre Unternehmensberater bei der Mitchell Madison Group.

Starzacher hält einen B. A. in Mathematik und Philosophie der Oxford Universität in Großbritannien.

Ihr Unternehmen rüstet die Filialen der Modekette NKD bundesweit mit intelligenter Messtechnik aus. Werden solche Lösungen künftig Standard sein für bundesweit tätige Filialisten?

Filialisten haben in der Regel Geschäfte über das Bundesgebiet verstreut. Folglich sind auch die Netzbetreiber ganz unterschiedlich. Wie kommen dann die Verbrauchsdaten der einzelnen Geschäfte zum Hauptsitz des Unternehmens?

Sie müssen rechtzeitig eintreffen und zudem ein einheitliches Format haben. Nur dann kann das Unternehmen einen sauberen Monatsabschluss machen. Nur dann ist auch ein zeitnahes Energiemanagement möglich. Wir sorgen dafür, dass die Daten einheitlich und in hoher Qualität bereitstehen.

Energieeffizienz gilt als großer Hebel in der Energiewende in Industrie und Privathaushalten. Aber bislang sind Theorie und Praxis weit voneinander entfernt. Ist man zu ungeduldig? Könnte hier die fortschreitende Digitalisierung einen Schub auslösen?

Ja, auf alle Fälle. Unserer Erfahrung nach braucht zum Beispiel ein Optikergeschäft rund 95 Prozent des Stromverbrauchs für die Grundlast, Licht, Klimaanlage und so weiter. Ist die Klimaanlage irrtümlich auch sonntags in Betrieb, können wir das anhand der Daten schnell feststellen. Beheben lässt sich der Fehler dann recht einfach, etwa mit einer Zeitschaltuhr, die die Klimaanlage analog zu den Ladenöffnungszeiten steuert. Ein anderes Beispiel ist der gleichzeitige Betrieb von Kälte- und Heiztechnik. Die Energieeffizienz ist ein Beispiel dafür, dass Energie an sich noch zu günstig ist. Wäre sie teurer, würde automatisch weniger verbraucht. Wir wollen das Energiesparen einfach machen. Einen Euro investieren, zwei Euro auf der Kostenseite sparen.

Der Rollout intelligenter Messsysteme lässt auf sich warten. Normale Startschwierigkeiten bei einem Großprojekt?

Es gibt auch Großprojekte, die funktionieren. Der Rollout verzögert sich unter anderem deshalb, weil die Zuständigkeiten über viele Häuser verteilt sind. Es gibt keinen Architekten. Es gibt auch keine Deadline, um die Vorbereitungen abzuschließen und den Rollout zu starten. Wie will man so im Feld lernen? Erst durch die Erfahrungen im Feld können die Hersteller die Geräte verbessern. Die Standards könnten ja peu à peu alle paar Jahre erhöht werden. Diesen Mechanismus gibt es ja auch bei den Schadstoffgrenzwerten im Straßenverkehr oder bei der Energieeffizienz der Haushaltsgeräte. Aber dazu muss der ganze Prozess eben in Gang gesetzt werden. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 08 /2018