KWK: heute an morgen denken

Politik – Seit 2017 gibt es Ausschreibungen für KWK-Anlagen zwischen 1 und 50 MW. Das sollte zu Wettbewerb und Kostensenkungen führen. Jetzt zeigt sich: So einfach geht das nicht.

25. März 2019
Paragraf vor Labyrinth
(Bild: Isleif Heidrikson – Fotolia)

Im Wärmesektor entsteht rund ein Drittel aller energiebedingten Emissionen. Ziel muss daher sein, die Wärmeversorgung schrittweise auf erneuerbare und emissionsarme Quellen umzustellen. Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist dafür eines der zentralen Instrumente, sagen Experten. Insbesondere in Städten sind Wärmenetze eine gute Möglichkeit, um erneuerbare Wärme im großen Stil einzuspeisen.

Zuschlagswert zu hoch

2017 hat der Gesetzgeber Ausschreibungsverfahren bei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zwischen 1 und 50 Megawatt Leistung gestartet. Man hatte sich erhofft, dass dies zu einem Wettbewerb führt, der sich ähnlich wie bei Erneuerbaren-Energien-Anlagen kostensenkend auswirkt. Inzwischen steht fest: So einfach geht es nicht.

Fakt

Erneuerbare Gase

Mit einem inländischen Erzeugungspotenzial von 414 TWh können regenerative Gase in allen Sektoren dazu beitragen, Deutschlands Klimaschutzziele zu erreichen. Das ergab eine Studie des DVGW. Je nach Biogasproduktion und der Leistung von Power-to-Gas-Anlagen kann das Potenzial zwischen 214 und 414 TWh schwanken, heißt es. Das entspreche knapp der Hälfte des aktuellen Gasbedarfs in Deutschland, gab der Verband bekannt. hd

Das zeigen die jüngsten Ausschreibungsergebnisse der Bundesnetzagentur, die Mitte Dezember veröffentlicht wurden. Insgesamt erhielten von den eingereichten 17 Geboten 11 einen Zuschlag. Das höchste Gebot mit Zuschlag lag bei 5,24 ct/kWh, das niedrigste Gebot erhielt mit 3,49 ct/kWh den Zuschlag. Der durchschnittlich, mengengewichtete Zuschlagswert lag bei 4,74 ct/kWh und somit erneut über den bisherigen Werten. Mit Höchstwerten der bisherigen drei Gebotsrunden zwischen 4,99 und 5,25 ct/kWh lagen die Zuschläge zwar deutlich unter dem vorgegebenen Höchstwert von 7 ct/kWh, mit 78 MW blieb das Volumen aber weit hinter dem Potenzial im Leistungsbereich von 1 bis 50 MW zurück, so der VDMA in einer Mitteilung. Der leichte Anstieg des Zuschlagswertes dürfte daraus resultieren, dass die Bieter die Ausschreibungen besser einschätzen können und sehr niedrige Gebote nicht länger den durchschnittlichen Zuschlagswert beeinflussen, so der Verband. Zu dieser Einschätzung kommt auch das Beratungsunternehmen Enervis. Das Ansteigen der Zuschläge ist laut Enervis ein Zeichen dafür, dass sich die Ergebnisse der Auktion von fundamentalen Faktoren ablösen und stärker strategisches Gebotsverhalten den Preis bestimmt.

Strategisches Gebotsverhalten

Demnach könnte sich in Bezug auf die konventionelle Auktion zukünftig der Wettbewerb verschärfen. So kam in der konventionellen Auktionsrunde vom Dezember auf eine Ausschreibungsmenge von 76,8 MW ein Angebot von rund 104 MW; theoretisch also eine Zunahme des Wettbewerbs gegenüber der Juni-Runde, in der die Nachfrage noch oberhalb des Angebots gelegten hatte. Eine Entwicklung, die partiell dadurch aufgefangen wurde, dass die BNetzA in der Dezember-Ausschreibung drei Anlagen wegen Formfehlern ausschloss.

Die mögliche Folge: Künftig könnten von den Ausschreibungsmengen immer größere Anteile bereits aus den nicht-erfolgreichen Projekten voriger Runde gedeckt werden. Hier wird sich die Frage stellen, ob sich die Auktion durch strategisches Gebotsverhalten auf dem jetzigen Niveau einpendelt oder ob der Wettbewerbsdruck doch zunimmt, so Enervis. »Kosteneffiziente KWK-Projekte können bei Fördersätzen von rund 5 ct/kWh zweistellige Renditen erzielen. Eine Teilnahme sollte also auf jeden Fall geprüft werden«, so Julius Ecke von Enervis. hd

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 24 bis 25