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Metering

Immer auf dem neuesten Stand

Digitale Anwendungen für Strom, Wärme und Mobilität lassen sich schon vor und trotz des Rollouts intelligenter Messsysteme realisieren. Darauf weisen Experten in einem Leitfaden hin. Im Fokus stehen dezentrale Lösungen mit Smart Metern.

12. November 2018
(Bild: Talaj – stock.adobe.com)

Der gemeinsam von Bundesverband neue Energiewirtschaft (Bne) und der Energierechtskanzlei Assmann Peiffer erstellte Leitfaden ›Geschäftsmodelle und Rechtsrahmen der digitalen Energiewende‹ richtet sich an Akteure, die einen Großteil ihrer Wertschöpfung in der Energiewirtschaft erlösen. Etwa Messstellenbetreiber und Hersteller von Messgeräten sowie Stadtwerke und Anlagenbetreiber beziehungsweise Prosumer. »Mit unserem Leitfaden bieten wir Unternehmen die erste konkrete Handreichung für die digitale Energiewende und damit das notwendige Know-how für die Geschäftsmodelle von morgen«, betont Bne-Geschäftsführer Busch.

Geschäftsmodell

Unter anderem werden durch das Smart Metering denkbare neue Geschäftsmodelle aufgezeigt. »Datenbezogene Geschäftsmodelle sind allen voran für wettbewerbliche Messstellenbetreiber interessant, entweder als direktes Angebot für die eigenen Kunden oder als Dienstleister für andere Energieversorgungsunternehmen«, heißt es in dem kostenpflichtigen Leitfaden, der insgesamt 100 Seiten hat. Der Verband hat Auszüge der Publikation auf der Website veröffentlicht. Es werden Anwendungsfälle dargestellt, die auf Daten sowohl aus freien als auch aus intelligenten Messsystemen basieren. Dazu gehören Visualisierungskonzepte, Prognosetools und der Verkauf von Messdaten.

Visualisierungstool

Visualisierungskonzepte sind für alle Verbrauchergruppen von Relevanz. Der Leitfaden stellt vier spezielle Konzepte von Verbrauchsdaten privater und gewerblicher Anschlussnutzer vor. Sekündliche Auflösung, gerätespezifische Auflösung, vergleichende Visualisierung und schließlich das Gaming als Sonderform der vergleichenden Visualisierung. Dem Leitfaden zufolge können für die Standard-Visualisierung grundzuständige Messstellenbetreiber bei intelligenten Messsystemen und modernen Messeinrichtungen keine zusätzlichen Entgelte erheben.

Für wettbewerbliche Messstellenbetreiber ist dies möglich. »Daher ist insbesondere in Phase 2 und 3 aus Sicht des Messstellenbetreibers nach zusätzlichen, nicht im MsbG vorgesehenen Angeboten zu suchen«, so die Autoren. Demnach ist etwa die Visualisierung von Stromerzeugungsdaten oder von Daten aus Gaszählern gesetzlich nicht vorgeschrieben, deren Anbindung an das Smart Meter Gateway aber ebenfalls gem. § 40 MsbG vorgesehen.

»Dementsprechend könnte es sich für grundzuständige und wettbewerbliche Messstellenbetreiber anbieten, diese Services als zusätzliche Leistung aufzunehmen«, empfehlen die Autoren des Leitfadens. Für diesen Service könnte zudem ein zusätzliches Entgelt erhoben werden. Der grundzuständige Messstellenbetreiber wäre dabei aber an die Vorgaben des §§ 35 Abs. 2, 3 MsbG gebunden. Diese Angebote lassen sich mit weiteren Zusatzleistungen aus dem Bereich Submetering kombinieren, was wiederum eine Querfinanzierung des Messstellenbetriebs erlaubt, heißt es im Leitfaden.

Fakt

Warten auf den Startschuss

Das BSI hat einen Medienbericht dementiert, demnach die Behörde Mitte Oktober die erste Zertifizierung eines Smart Meter Gateways abgeschlossen habe. Ein Behördensprecher bestätigte, dass das BSI bis Jahresende Gateways von drei Herstellern zertifizieren wolle. Erst dann kann der Rollout der intelligenten Messsysteme de facto beginnen. (hd)

Tatsächlicher Verbrauch

Den Angaben zufolge können mit freien Messsystemen bereits in Phase 1 Visualisierungskonzepte umgesetzt werden. Die rechtlichen Vorgaben des MsbG sind hierbei weniger streng. Gleichwohl ist die DSGVO zu beachten. »Unabhängig von den verwendeten Messsystemen bietet sich die Visualisierung über eine Onlineplattform an«, so die Autoren der Publikation. Messdaten zu visualisieren, liegt nahe. Im Fall der Verwendung intelligenter Messsysteme ist die Visualisierung beim Kunden als Grundausstattung der Geräte vorgeschrieben (§§ 21 Abs. 1 Nr. 2; 61 MsbG). Im Fall der Verwendung freier Messsysteme ist eine Visualisierung elementar, um dem Kunden das Produkt näherzubringen. Intelligente Messsysteme müssen nach dem MsbG technische Mindestanforderungen einhalten, wenn sie das Verbrauchsverhalten der Letztverbraucher visualisieren, heißt es im Leitfaden.

Demnach sind diese Informationen dafür bereitzustellen: tatsächlicher Energieverbrauch und Informationen, wann die Energie verbraucht wurde; abrechnungsrelevante Tarifinformationen und Messwerte zur Überprüfung der Abrechnung; historische Energieverbrauchswerte entsprechend der Abrechnungszeiträume – jedenfalls monatlich; historische tages-, wochen-, monats- und jahresbezogene Energieverbrauchswerte sowie die Zählerstandsgänge der letzten 24 Monate; alle aus dem Speicher ablesbaren Daten.

Darstellungsart

Die Daten können auf zwei Arten dargestellt werden. Entweder erfolgt dies durch eine lokale Anzeigeeinheit am Zähler oder bei entsprechender Einwilligung des Anschlussnutzers mittels geschütztem Zugang zu einem Onlineportal. Die Informationen müssen in beiden Fällen zumindest innerhalb von 24 Stunden bereitgestellt werden. Nach der Regelung muss das intelligente Messsystem standardmäßig beide Visualisierungsmöglichkeiten vorsehen, sofern dies technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar ist.

»Der Leitfaden bietet eine Handreichung für die digitale Energiewende.«

— Robert Busch, Bne

»Es ist zu erwarten, dass die Nutzung des Onlineportals von den meisten Anschlussnutzern bevorzugt werden dürfte«, heißt es im Leitfaden. Demnach bietet es sich für Dienstleister an, neben der Aufbereitung der Visualisierungsdaten weitere Zusatzangebote auf dem Portal zur Verfügung zu stellen.

Für die eichrechtlich zulässige Visualisierung der Messdaten haben die Smart-Meter-Gateway-Hersteller als Standard Software-Lösung zur Erfüllung der Mindestvorgaben des § 35 Abs. 1 Nr. 3 MsbG das gemeinsame Bundes-Display entwickelt. Darin sind laut Leitfaden alle Funktionen gebündelt, mit denen der Letztverbraucher über ein https-gesichertes Portal die für die Abrechnung relevanten Messdaten aus dem Gateway ablesen kann. Das Bundes-Display wird kostenfrei als Open-Source mit der Bezeichnung ›TRuDI‹ angeboten. Der Leitfaden kann beim Bne bestellt werden. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 09 /2018