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Netz

Leuchtturm auf dem flachen Land

Erneuerbare Energien speisen wetterabhängig ein. Darum kommen Speichern künftig eine essenzielle Rolle in der Energieversorgung zu. Das Power-to-Gas-Verfahren wandelt Strom in grünen Wasserstoff oder Methan um und schafft so temporäre Speicher- und Transportkapazitäten. Jetzt planen Branchenunternehmen eine Großanlage in Niedersachsen.

12. November 2018
(Bild: ©pkazmierczak – stock.adobe.com)

Tennet, Gasunie Deutschland und Thyssengas wollen eine Pilotanlage mit einer Leistung von 100 Megawatt bauen. Es handelt sich den Angaben zufolge um die bis dato größte Power-to-Gas-Pilotanlage in Deutschland. In Betracht kommen Standorte im Bereich der Tennet-Umspannwerke Diele und Conneforde, in denen vor allem Offshore-Windstrom aus der Nordsee gesammelt und weiterverteilt wird, so die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung.

Diele liegt nordwestlich von Papenburg im Emsland, Connforde südlich von Wilhelmshaven in der Nähe der Kleinstadt Varel. Mit dem Projekt ›Element Eins‹ wollen die beteiligten Unternehmen erste Erfahrungen mit Power-to-Gas-Anlagen im industriellen Maßstab sammeln. Die Pilotanlage soll schrittweise ab 2022 ans Netz gehen und grünen Strom in Gas umwandeln, um so neue Speicherpotenziale für erneuerbaren Stromzu erschließen.

»Das ist ein ganz wichtiges Signal für das Energieland Niedersachsen.«

— Olaf Lies, Umweltminister in Niedersachsen

Industriemaßstab

Den Partnern geht es dabei um die umfassende Kopplung der Sektoren Energie, Verkehr und Industrie. So kann der in Gas umgewandelte Grünstrom nicht nur über bestehende Gasleitungen von der Nordsee ins Ruhrgebiet transportiert, sondern unter anderem auch über Wasserstoff-Tankstellen für Mobilität und über die Speicherung in Kavernen für die Industrie zur Verfügung stehen.

Der niedersächsische Umwelt- und Energieminister Olaf Lies sagte zu dem Projekt: »Das ist ein ganz wichtiges Signal für das Energieland Niedersachsen.« Für Tennet hat Power-to-Gas nach Unternehmensangaben großes Potenzial, da so dem Stromnetz dringend benötigte Flexibilität zur Verfügung stehen kann.

»Wir brauchen leistungsfähige Speichertechnologien, um das ambitionierte Ausbauziel für erneuerbare Energien 2030 zu realisieren. Wenn wir große Mengen an erneuerbarem Strom speichern können, entlasten wir das Stromnetz. Das hilft uns, die teure Abregelung von Windanlagen zu begrenzen und macht die Stromversorgung sicherer«, sagte Lex Hartman, Geschäftsführer von Tennet.

Sektorkopplung

Power-to-Gas arbeitet nach dem Prinzip der Elektrolyse. Die Elektrolysebranche muss sich zu einer Gigawatt-Industrie entwickeln, damit die Klimaziele der Bundesregierung erreicht werden können. Das ergab eine Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. In Schleswig-Holstein soll nächstes Frühjahr eine Tankstelle für regional erzeugten grünen Wasserstoff in Betrieb gehen. Um die Klimaschutzziele sicher und effizient zu erreichen, sollte der Anteil grüner Gase im Energiesystem durch Anpassungen im Ordnungsrahmen zügig gesteigert werden. Das ergab eine Untersuchung im Auftrag des Branchenverbandes DVGW.

Mögliche Instrumente sind demnach eine verpflichtende Mindestquote für erneuerbare Gase oder ein CO2-Preis. Eine zeitlich begrenzte, moderate Reduzierung von Steuern, Abgaben und Umlagen für Power-to-Gas-Anlagen ist ebenfalls hochwirksam und ist als ergänzende Maßnahme zu sehen, so der Verband in einer Mitteilung zur Studie ›Klimaschutz mit grünen Gasen‹. Zudem sollte ein Förderungsmechanismus für die Umrüstung von Biogasanlagen etabliert werden, um den Anteil von Biomethan im Gassystem zu steigern.

Transportkapazität

Nach DVGW-Angaben ist die Nutzung von Gasen und ihren Infrastrukturen im Vergleich zu einer reinen Elektrifizierung der Energiesysteme deutlich kostengünstiger. Das mehr als 500.000 Kilometer umfassende deutsche Gasnetz transportiert nach Branchenangaben schon heute die doppelte Energiemenge des Stromnetzes. Demnach summiert sich die Menge auf rund 1.000 Milliarden kWh pro Jahr. Das Stromnetz erreicht demnach eine Transportleistung von etwa 540 Milliarden kWh pro Jahr. Nach Erhebungen des DVGW kostet der Energietransport via Gasnetz nur rund ein Fünftel dessen, was der Transport in Stromleitungen kostet. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 09 /2018