Zur Sicherheit

Lastmanagement – In Baden-Württemberg sind erstmals Anlagen aus dem Verteilnetz zur Netzstabilisierung genutzt worden. Die Pilot-Abrufe erfolgten im Netzsicherheits-Projekt DA/RE.

06. September 2019
Zur Sicherheit

Der Projektname DA/RE steht für Datenaustausch im Redispatch und ist den Angaben zufolge ein wegweisendes Entwicklungsprojekt auf dem Gebiet der Netzsicherheit. Ziel ist, das Flexibilitätspotenzial von dezentralen Anlagen für die Stabilisierung des gesamten Stromsystems zu nutzen.

Mitte Juli haben die Projektbeteiligten erstmals Redispatch-Kapazitäten abgerufen. Die Netzsicherheits-Initiative für Baden-Württemberg geht damit in die zweite Projektphase. Abgerufen wurden Batterie-Heimspeicher, mehrere Biogas-Anlagen sowie ein Abfall- und ein Heizkraftwerk. An dem von Transnet BW und Netze BW initiierten Projekt nehmen unter anderem der Akkuspeicher-Hersteller Sonnen und Entelios aus München teil.

Flexibilität auf Abruf

»Entelios ist als Einsatzverantwortlicher dafür zuständig, den beteiligten Netzbetreibern die zur Verfügung stehende Flexibilität anzubieten«, sagt Projektmanager Benedikt Deuchert. Das Unternehmen stellt laut Deuchert die Abwicklung der mit den Netzbetreibern vereinbarten Prozesse sicher und sorgt für eine Weiterleitung von Schaltanfragen an die teilnehmende flexible Anlage.

Redispatch aus dem Verteilnetz ist zentral für die Energiewende.

— Benedikt Deuchert Entelios

Zudem stellt das Unternehmen bei Abrufen die Datenübertragung in Richtung Netzbetreiber sicher und wickelt die energiewirtschaftlichen Prozesse mit den beteiligten Bilanzkreisen ab. Für Transnet BW stellen die Abrufe von Anlagen aus dem Verteilnetz einen Meilenstein dar, so der Übertragungsnetzbetreiber. »Sie zeigen, dass das Konzept praktikabel ist und wir nun Erfahrungen hinsichtlich der Praxistauglichkeit gewinnen können«, so Transnet BW in einer Mitteilung.

Mittel- und Niederspannung

Die Anlagentests wurden laut Netze BW sowohl in der Mittelspannung als auch in der Niederspannung durchgeführt. Künftig gehe es zunehmend darum, Flexibilitäten auf allen Spannungsebenen nutzbar zu machen, heißt es. »Die große Stärke von Sonnens virtueller Batterie ist die dezentral über das ganze Land verfügbare Flexibilität«, so Sonnen in einer Mitteilung. »Die vernetzten Batterien können mit ihrer Speicherkapazität dem Stromnetz innerhalb weniger Sekunden einen Puffer dort zur Verfügung stellen, wo ein Engpass besteht«, heißt es.

Umstellung

»Die Erbringung von Redispatch aus dem Verteilnetz heraus, wie sie bei DA/RE demonstriert wird, ist für das Gelingen der Energiewende von zentraler Bedeutung«, sagt Benedikt Deuchert.

Die konventionellen Erbringer von Redispatch wie Kern- und Kohlekraftwerke sind in der Regel direkt ans Höchstspannungsnetz angeschlossen. Mit der Energiewende gehen diese Anlagen sukzessive vom Netz. Gleichzeitig besteht im Verteilnetz ein sehr großes und weiter steigendes Flexibilitätspotentzial, insbesondere auf der Verbrauchsseite, sagt Deuchert.

Entelios nutzt dieses Potenzial seit Jahren für Regelleistung im Rahmen der abschaltbaren Lasten und der Optimierung am Intraday-Strommarkt. Der nächste logische Schritt sei der Einsatz für Redispatch-Zwecke, wie er in DA/RE angedacht ist, so Deuchert. »Nötig ist eine Anreizregulierung, die ermöglicht, dass Entelios die Anlagen gewinnbringend einsetzen kann. Eine reine Erstattung der Kosten liefert keinen Anreiz zu einer Teilnahme. Stattdessen sind marktbasierte Instrumente vonnöten.«

PLUSMINUS

Redispatch im Verteilnetz

+ Mittelspannungsnetz

+ Niederspannungsnetz

+ Rahmenbedingungen/Anreizregulierung

- Eine reine Erstattung der Kosten liefert keinen Anreiz zu einer Teilnahme.

- Erforderlich sind marktbasierte Instrumente. hd

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Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 50 bis 51